THE BRICK TIME

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Spider-Man vs. Green Goblin – Wie ein MOC entsteht

Vor einer Woche stellten wir euch das MOC “Spider-Man vs. Green Goblin” vor, jetzt beschreibt der Erbauer Xenomurphy selber wie dieses MOC entstanden ist. Das THE BRICK TIME Team bedankt sich bei Xenomurphy, für seine Bemühungen diesen Artikel zu schreiben und das extra Anfertigen von einigen Bildern. Mehr wollen wir auch garnicht sagen und übergeben jetzt das Wort an Xenomurphy:

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Als Designer trainiert man eine Eigenschaft, die zwar angeboren ist, aber von vielen Menschen nicht ausgiebig genutzt wird: Richtig zu sehen. Das ist meiner Meinung nach, neben einer gehörigen Portion Kreativität, die wichtigste Eigenschaft, um etwas Neues und Interessantes zu schaffen. Wenn ich eine Idee zu einem neuen MOC habe, sehe ich mich um. Ich sehe mir die Dinge an, die ich bauen möchte. Ich recherchiere. Das war noch nie so einfach wie heute, dank Internet und anderer Medien. In dem konkreten Fall von „Spider-Man vs. Green Goblin“ begann ich mit einem virtuellen Spaziergang durch die Straßen von New York. Streetview ist ein unglaublich hilfreiches Werkzeug. Ich sah mir weit über einhundert Gebäude an, machte Screenshots, verglich Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Eigenarten. Welche Baustile gibt es und was ist für sie charakteristisch? Welche Häuser haben Feuerleitern? Wo sind diese angebracht und welche Arten gibt es? Liegt der Keller zum Teil oberirdisch? Welche Materialien kamen zum Einsatz? Ist es ein Geschäfts-, ein Büro- oder ein Wohnhaus? Oder eine Mischung daraus? Gibt es Dachrinnen, Blitzableiter, Blumenkästen …? Diese Liste lässt sich beinahe beliebig lang weiterführen.

Wenn ich genug Bildmaterial gesichtet habe, fertigte ich ein paar rasche, kleine Skizzen an, um die für mich interessantesten Komponenten zusammenzufügen und eine Vorstellung der Proportionen zu bekommen. Dann geht es endlich los.

Abbildung 1

Abb. 1: Explosion

Ich beginne immer mit dem schwierigsten Teil in einem MOC. Das erlaubt mir, das Modell, ohne zu viel Zeit verloren zu haben, wieder zu verwerfen, sollte ich an diesem Teil scheitern. Hier war es die Explosion. Ich googlete nach so vielen Explosionen, bis ich Angst bekam, das FBI würde ein unangenehmes Interesse an meinen Tätigkeiten entwickeln. Dann konstruierte ich eine Halbkugel, da sich Explosionen generell erst einmal gleichmäßig in alle Richtungen ausbreiten. Da sie aber auch den Wagen anheben musste, ließ ich die Flammen links und rechts vom Heck hochschlagen. Danach verfeinerte ich die Oberfläche mit rot-orange-gelb Kombinationen und verschieden starken Ausdehnungen [Abb. 1].

Abbildung 2

Abb. 2: Garagentor

Die Idee mit dem Doppeltor hatte ich von Anfang an. Wenn man Bricklink oft genug durchstöbert oder regelmäßig Sets kauft, lernt man schnell die Teile kennen, die einem zur Verfügung stehen. Das ist sehr wichtig, wenn man verschiedene Strukturen oder Effekte erzeugen möchte – so wie in diesem Fall die Garagentore. Es handelt sich dabei um graue Rohre, die ich, eingeklemmt zwischen Steinen und Platten, einfach aufeinandergestapelt habe [Abb. 2]. Ich war mir nicht sicher, ob Neonröhren offen außen angebracht werden können, so wie ich es über den Toren getan habe. Also suche ich im Internet nach wenigstens einem Beispiel, bei dem das der Fall ist. Werde ich dort nicht fündig, gehe ich spazieren und sehe mich in der realen Welt um. Das ist sehr ideenfördernd und viel gesünder (außer in einigen Großstädten, hahaha).

Abbildung 3

Abb. 3: Klinkertechnik

Für die Klinkertechnik habe ich mir die umlaufende Nut bei Tiles zu Nutze gemacht. Grundsätzlich hätte ich die Wand auch nur mit „Plattes“ bauen können, den jeder LEGO® Stein hat ganz winzige abgerundete Kanten, die bei entsprechendem Licht deutlich sichtbar werden, aber so kam der Effekt besser zur Geltung. Natürlich erhöht diese Methode den Materialverbrauch ganz enorm, aber ich fand, das war es wert [Abb. 3].

Abbildung 4

Abb. 4: Säule

Wie schon auf MOCpages erwähnt, stimmt es nicht ganz, dass drei Plattes von der Höhe her genau einen Brick ergeben. Sie sind minimal höher, sodass die Unterschiede erst dann mit bloßem Auge sichtbar werden, wenn man 10 bis 20 Plates aufeinanderstapelt. Ab 50 Plates führt der Höhenunterschied zu echten Problemen beim Bau. Die Klinkersäule, die sich links vom Vordereingang befindet, habe ich versuchsweise mit einer Konstruktion aus LEGO® Techniksteinen auf ihre korrekte Höhe zusammengedrückt [Abb. 4]. Technik deshalb, weil es die stabilsten Steine sind. Diese Säule steht jetzt unter extremer Spannung und sollte ich in der Nähe sein, wenn sie auseinanderspringt, werden mich die herumfliegenden Steine wahrscheinlich töten.

Abbildung 5

Abb. 5: Rückwand mit Klappe

Ich wurde einige wenige Male gefragt, wie die Rückseite des MOCs aussieht. Die Antwort ist ernüchternd: Eine schwarze, ungestaltete Wand. Ursprünglich wollte ich nicht einmal die linke Hauswandseite bauen, denn vielleicht – aber nur vielleicht – kommen noch ein Paar Gebäude dazu und ich werde das Ganze als modulare Serie aufbauen. Sollte ich vorher nicht mein Interesse daran verlieren – was bei mir leider schnell passieren kann – und weiterbauen, würde ich die linke Wand entfernen und durch eine ebenfalls schlichte Brickwand ersetzen, um Steine zu sparen. Die Rückseite besitzt übrigens eine große Klappe, die es mir ermöglichte, die Figuren und Pflanzen an den Fenstern nachträglich einzufügen und zu verändern [Abb. 5]. Bei einer dieser Figuren habe ich mir einen kleinen Spaß erlaubt. Sie ist auf keinem der bislang veröffentlichten Fotos richtig zu erkennen, daher habe ich für diesen Artikel ein Detailfoto geschossen. Hier ist sie, die bärtige Lady [Abb. 6].

Abbildung 6

Abb. 6: Bärtige Lady

Abschließend möchte ich noch etwas zu den Hauptfiguren sagen. Ich habe niemals ein Geheimnis daraus gemacht, dass mir die Filmversion des grünen Kobolds nicht gefiel (obwohl ich die Filme sehr mag), weshalb ich für dieses MOC meine eigene Variante, basierend auf den Comics, gestaltet habe. Dazu musste ich Messer, Feilen, feinstes Schmirgelpapier und Kleber einsetzen [Abb. 7]. Ich habe für mich folgende Regel aufgestellt: Solange es um Minifiguren geht, ist alles erlaubt. Ich versuche, nur Originalteile von LEGO® zu verwenden, darf diese dann aber schnitzen, schneiden und kleben. Bei allen anderen Dingen, die ich baue, bleibe ich – abgesehen von einem Aufkleber hier und da – Purist. Es käme mir nie in den Sinn, einen Stein zu zersägen, um zum Beispiel ein besseres Raumschiff zu gestalten. Und was meinen Spidey angeht, für mich ist und bleibt es Frank Dillane [Abb. 8], der gerade „Papadopuolos & Sons“ abgedreht hat. Wird bestimmt auch spitzenmäßig.

Abbildung 7

Abb. 7: Minifiguren

Abbildung 8

Abb. 8: Frank Dillane


3 Kommentare zu “Spider-Man vs. Green Goblin – Wie ein MOC entsteht”

  1. Wortman

    Ein sehr schöner und detailreicher Einblick in die Planung und Ausführung. Danke schön.

  2. BoB

    Vielen Dank für diese Arbeit. Ich finde es klasse, wenn man sich so in seine Projekte reinhängt.

  3. Legolas

    Toller Bericht. Erstklassig.

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